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Claude-Skills vs. klassische Automatisierung am konkreten Beispiel
Die Frage kommt gerade immer häufiger, seit Tools wie Claude Code und Cowork auch für Nicht-Entwickler zugänglicher werden: Brauche ich meine Automatisierungstools überhaupt noch?
Kurze Antwort: Ja. Aber es wird komplizierter.
Die Unterschiede zeige ich hier an einem konkreten Beispiel aus meinem eigenen Arbeitsalltag. 👇
Das Beispiel: Angebote automatisch erstellen
Ich habe denselben Prozess auf zwei Arten gebaut:
Sobald ich in meinem ClickUp-CRM einen Lead in die Phase „Angebot erstellen" schiebe, soll automatisch ein personalisiertes Google Slides Angebot auf Basis eines Templates entstehen. Mit den richtigen Infos aus dem CRM, der richtigen Angebotsstruktur, dem richtigen Kontext und passenden Texten.
Einmal mit Make.com. Einmal als Claude Code Skill.
Beides funktioniert. Und beides hat andere Stärken.
Variante 1: Automatisierung in Make.com
Der Ablauf ist klassisch und sauber:

Trigger ist ein Webhook, der direkt aus ClickUp gefeuert wird, sobald ich den Status ändere. Make holt die Felder aus ClickUp, kopiert das Slides-Template, befüllt die Variablen, schreibt Kurztexte auf Basis des Kontexts, legt alles in einem Drive-Ordner ab, und schreibt den Link zurück nach ClickUp.
Fertig. Ohne dass ich auch nur einen Klick mache.
Und das sind die Vorteile von so einem “klassisch” automatisierten Prozess:
Läuft vollständig im Hintergrund, ohne mich
Zuverlässiger Trigger direkt aus dem Tool
Konsistentes, vorhersehbares Ergebnis
Mitarbeiterunabhängig – läuft auf einer Ebene über den einzelnen Personen
Kein «Human in the Loop» nötig
Die gute 80%-Version ist vollautomatisiert erstellt. Das Angebot, das dabei rauskommt, passe ich danach noch manuell an.
Variante 2: Durch einen Claude Code Skill
Hier ist der Startpunkt ich selbst. Ich sage dem Assistenten: «Erstelle ein Angebot für diesen Lead.»
Was dann passiert, ist ein anderes Kaliber. Die Screenshots zeigen Ausschnitte aus der hinterlegten Skill.md-Datei
Der Assistent schaut im Drive nach Meeting-Notizen zu diesem Kontext. Er durchsucht den Gmail-Verlauf. Er liest die ClickUp-Notizen. Dann entscheidet er selbst, welche Angebotsstruktur passt, ein Fixpreis-Slide für einen definierten Workshop, oder ein Stundensatz-Slide für eine laufende Begleitung. Und er befüllt die Variablen mit Texten aus allen gesammelten Quellen.
Ich kann während der Erstellung eingreifen, ergänzen, nachschärfen. Das ist kein Automat, das ist eher ein Mitarbeiter, der mit mir zusammen das Angebot baut, entlang festgelegter Regeln.

Was der Skill hier also besser kann:
Flexibel auf den konkreten Kontext eingehen
Ganz simpel mehrere Quellen kombinieren, als Automatisierung wäre dies deutlich komplexer aufzusetzen
Selbst entscheiden, welche Angebotsstruktur passt
Meine eigenen Gedanken fliessen während des Prozesses ein, als PingPong zwischen mir und der KI.
Das Ergebnis übernehme ich stärker direkt so, weil es durch die Flexibilität und mehr Kontext schon besser passt.
Was führt mich zum besseren Ergebnis?
Das ist die eigentlich interessante Frage.
Der Make-Output ist konsistent und schnell. Aber ich passe ihn danach stärker an.
Der Skill-Output ist inhaltlich dichter, individueller, näher am Kontext. Ich übernehme ihn direkter.
Beides endet im selben Ort: Ein Google Slides Angebot, das ich prüfen und dem Kunden schicken kann.

Und nun? Mein Denkmodell dazu
Ich denke es hilft, zwei Ebenen klar zu trennen:
Automatisierungs-Ebene (Make, n8n und Co.) Prozesse, die immer gleich laufen sollen. Mitarbeiterunabhängig. Zuverlässig. Kein Pingpong. Kein Kontext, der sich jedesmal ändert. Einfach: Trigger rein, Ergebnis raus.
Mitarbeiter-Ebene (Claude Code, Cowork etc.) Aufgaben mit hohem kognitivem Anteil. Wo ich Quellen kombiniere, nachschärfe, eigene Gedanken einbringe. Wo das Ergebnis stark vom Kontext abhängt. Und wo ein stetiges Hin-und-Her zwischen mir und der KI stattfindet.

Die Frage ist also nicht: Was ersetzt was?
Die Frage ist: Auf welcher Ebene spielt sich dieser Prozess ab?
Dazu auch noch mein Kurzvideo:
📹 https://www.youtube.com/shorts/bfBWJzeabTU
Und was bedeutet das praktisch?
Es wird anspruchsvoller zu entscheiden, was wo gebaut wird. Das ist die ehrliche Antwort.
Früher war klar: Automatisierung = Make, n8n und Co. Heute gibt es eine neue Schicht dazwischen, die echten Mehrwert liefert, aber einen anderen Typ von Mehrwert.
Wer das nicht unterscheidet, setzt in den falschen Tools bzw. in der falschen Ebene um.
Beide Ansätze haben ihre absolute Daseinsberechtigung. Man muss jetzt nur genauer hinschauen, welches wohin gehört. Und mit den Skills fangen wir ja gerade erst so richtig an…
