Die neue Guerilla-Effizienz & wenn Agents uns "mieten"

Was wir gerade erleben, fühlt sich nach einem echten Phasenübergang an. Und damit meine ich nicht das übliche „neues Modell, neuer Benchmark"-Rauschen. Dazu ein paar persönliche Gedanken im heutigen Newsletter:

🦀 OpenClaw: Kein Bewusstsein, aber sehr effektiv

Alles begann mit OpenClaw, und da kommt ja gerade niemand dran vorbei. Open Source, steuerbar über WhatsApp oder Telegram. Man chattet mit dem Ding wie mit einem Kollegen, es erledigt Aufgaben direkt auf dem eigenen Rechner und lernt mit. Mails, Kalender, Code, Webrecherche etc. Es macht den Anschein eines intelligenten Individuums, das proaktiv arbeitet, genau das ist die Faszination.

Wer unter die Haube schaut sieht keine Magie, sondern einfach smartes Engineering. OpenClaw reagiert einfach auf externe Ereignisse und Zeitpläne. Kommt eine Nachricht rein, wird sie abgearbeitet. Tickt ein Timer, prüft es den Posteingang via API. Gibt es eine neue Info, wird eine interne Skill-Datei aktualisiert. Am Ende also simple Logiken, aber brutal effektiv in der Praxis. Und das führt zu einer...

🧨 Guerilla-Effizienz: Schnell, mächtig, gefährlich

Damit öffnet sich die Schere immer weiter: Kleine Teams und Personen, die solche Tools ohne Rücksicht auf Security und Datenschutz schnell adaptieren, erreichen eine „Guerilla-Effizienz", die in üblichen Strukturen kaum vorstellbar wäre. Und auf der anderen Seite Teams oder Personen, die aus absolut guten Gründen solche Tools nicht anfassen.

Nur: irgendwo müssen wir alle einen Mittelweg finden. Die Geschwindigkeit nimmt zu, nicht ab. Wer nicht experimentiert und vor allem selbst ein Gefühl für die Potentiale bekommt, dem laufen diese Teams einfach weg. Daher die Massnahmen aus meiner Sicht: Sandbox-Denken, isolierte Umgebungen, Skills whitelisten (= was ein Tool darf), beobachten und eigene simple Richtlinien festlegen.

👥 Kuriose Sozialexperimente: Rent-a-Human

Und als ob OpenClaw nicht reichen würde: Jemand hat kurzerhand Moltbook gebaut, ein soziales Netzwerk nur für KI-Agents, mit über 1,6 Millionen registrierten Bots. Die posten, kommentieren, haben sogar eine eigene Religion gegründet. Klingt nach Science-Fiction, aber vieles ist wahrscheinlich nach wie vor menschlich gesteuert durch Nutzer, die ihren Agents konkret sagen, was sie posten sollen. Als Gedankenexperiment aber trotzdem super spannend.

Und dann RentAHuman.ai: Ein Marktplatz, auf der Agents Menschen für Aufgaben in der echten Welt „mieten" bzw. beauftragen können. Über 450.000 Anmeldungen bereits, der provokante Slogan: „Robots need your body because they can't touch grass." Und damit die Frage: Drehen sich unsere Rollen langsam aber sicher um? Werden wir gegenüber der KI vom Auftraggeber zum Auftragnehmer?

🧠 Neues KI-Denkmodell: Hin zu End-to-End

Und damit zum vielleicht wichtigsten Punkt: Die Entwicklungen der letzten Wochen führten bei mir zu einem Umdenken meines Denkmodells für KI in Prozessen. Bisher war klar: KI ist "Middle-to-Middle". Wir als Mensch stossen etwas an, die KI macht etwas, und wir prüfen und arbeiten damit weiter.

Und jetzt gehen wir immer schneller in Richtung “End-to-End”. Die KI läuft von selbst los, anhand gewisser Trigger. Agents strukturieren ihre Aufgaben, arbeitet diese mit Zugriff auf andere Tools und Kontextwissen ab, kontrollieren selbst das Ergebnis, und der nächste Agent nimmt dieses Ergebnis als Input und arbeitet mit neuem Kontextwissen weiter.

An diese neue Denkweise sollten wir uns besser schnell als langsam gewöhnen.

Und damit rein ins Wochenende! Lassen wir uns überraschen, welche Verrücktheiten nächste Woche auf uns warten…

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